
Sanfter Regen für die Haut
In der warmen Jahreszeit benötigt die Haut eine Extraportion Feuchtigkeit – das wissen Sie als Hautpflegeexpertin natürlich. Doch wie machen Sie Ihren Kunden klar, dass die Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden und -bindenden Produkten (Moisturizern) ein absolutes Grundbedürfnis der Haut erfüllt – und gerade jetzt entsprechende Behandlungen besonders notwendig sind?
Der Wassergehalt der Hornschicht wirkt sich entscheidend auf das Aussehen der Haut aus: Sinkt er unter 10 Gewichtsprozent, wirkt die Oberfläche schuppig und rau. Ein solcher Hautzustand kann (besonders in zunehmendem Alter) nur durch eine abgestimmte Pflege behoben werden. Das sollten Ihre Kunden wissen. Nachfolgend beantworten wir die sich in diesem Zusammenhang stellenden Fragen – und behalten dabei auch den jeweiligen Kundennutzen im Auge.
Wasser glättet die Haut
Eine gesunde junge Haut besitzt einen wirksamen Schutz vor dem Austrocknen – den natürlichen Feuchthaltefaktor (Natural Moisturizing Factor, NMF). Seine Aufgabe besteht darin, das nötige Wasser in der Haut festzuhalten. Äußere Einflüsse, wie eine geringe Luftfeuchtigkeit z.B. durch Klimaanlagen, führen zu einer erhöhten Verdunstung von hauteigener Feuchtigkeit. Höhere Umgebungstemperaturen, z.B. beim Sonnenbad, entziehen der Haut ebenfalls Wasser. Sportliche Betätigung oder körperliche Arbeit führt durch das damit verbundene Schwitzen zu einem erhöhten Feuchtigkeitsverlust.
Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Sekretion der Talg- und Schweißdrüsen nachlässt. Die Folge: Der Hydrolipidfilm der Haut verändert sich, die Hornschicht verliert an Geschmeidigkeit, die Haut wird schuppig, kleinste Fältchen treten auf. Um den hier notwendigen Ausgleich zu schaffen und die Haut wieder geschmeidig und glatt zu pflegen, wird zusätzliche Feuchtigkeit von außen benötigt.
Die Hauptaufgabe des Wassers ist es, auf der Haut für Geschmeidigkeit zu sorgen. Erste Anzeichen für zu wenig Hautfeuchtigkeit sind deshalb unangenehme Spannungsgefühle und vermehrt auftretende feine „Knitterfältchen“. Wird der Mangelzustand nicht behoben, kann Juckreiz aufkommen und die feinen Fältchen verstärken sich zu Runzeln. Zuletzt können sich feine Risse in der Hornschicht bilden, die wiederum entzündliche Veränderungen begünstigen können.
Kurzfristig hilft jede Gabe von Feuchtigkeit der danach „dürstenden“ Haut. Allerdings verdunstet die zugeführte Feuchtigkeit auch wieder innerhalb kurzer Zeit. Ziel muss es demzufolge sein, Feuchtigkeit nicht nur auf die Haut zu bringen, sondern sie dort auch zu halten, zu binden. Hierfür werden in der Hautpflege spezielle Feuchthaltesubstanzen eingesetzt.
Je älter, desto mehr Durst
Da durch Feuchtigkeitsmangel feine Knitterfältchen in der Haut entstehen, können diese auch durch vermehrte Feuchtigkeitszufuhr wieder nahezu geglättet werden. Feuchtigkeitspräparate machen die Haut wieder weich und geschmeidig und damit auch prall und straff. Tiefe Falten (z.B. Mimikfalten) können jedoch nicht vermindert werden. Ein gewisser vorbeugender Effekt ist aber nicht von der Hand zu weisen, denn eine geschmeidige, ausreichend mit Feuchtigkeit versorgte Haut bleibt elastischer und neigt so weniger bzw. erst später zu tieferen Falten als eine trockene Haut, die sich selbst überlassen wird.
Mit zunehmendem Alter wird die Haut auf natürliche Weise immer trockener. Der Wasseranteil der Hornschicht sinkt von zirka 13 Prozent beim Kind auf weniger als 7 Prozent beim alten Menschen. Zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr ist die Talgproduktion am höchsten; bereits zehn Jahre später lässt sie stark nach. Da aus dem Talg ein wichtiger Teil des NMF stammt (die organischen Säuren), verringert sich damit also auch das Wasserbindungsvermögen der Haut.
Die Produktion der Hautfette, die mit dem wässrigen Schweiß eine natürliche Emulsion bilden (Hydrolipidemulsion), geht im Laufe des Lebens langsam, aber stetig zurück – die Haut bindet weniger und verliert mehr Feuchtigkeit. Ein leichtes Feuchtigkeitspräparat in Form einer O/W(Öl-in-Wasser)-Emulsion dient deshalb je nach Hautzustand auch bereits ab etwa dem 20. Lebensjahr dazu, auftretende Feuchtigkeitsverluste auszugleichen.
Hautpartien mit einer niedrigeren Talgdrüsendichte, wie z.B. die Augenumgebung, sollten spätestens ab Mitte 20 eine besondere Pflege erhalten.
Mit einem guten Öl-in-Wasser-Emulgatorsystem kann in einer Creme ein Wassergehalt von über 80 Prozent erreicht werden. Möglichst sollte ein Wasseranteil von 65–70 Prozent für feuchtigkeitsbetonte Pflegeprodukte angestrebt werden.
Das wertvolle Nass binden
Zunächst ist hier natürlich an die Bestandteile des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF) zu denken, wie z.B. Harnstoff (Urea), Aminosäuren und Milchsäure. Gerne werden auch Bestandteile des menschlichen Bindegewebes eingesetzt, wie Kollagen und Hyaluronsäure (oder Vorstufen bzw. Bausteine hiervon), die beide eine hohe Wasserbindungsfähigkeit aufweisen.
Hyaluronsäure ist ein sehr effektiver und nach wie vor häufig in Kosmetika eingesetzter Feuchtigkeitsspender und -binder. Während niedermolekulare Hyaluronsäure in die Haut eindringen kann, bildet hochmolekulare Hyaluronsäure einen schützenden, feuchtigkeitsspendenden Film auf der Haut.
Sinnvoll sind auch Wirkstoffkomplexe, die in ihrer Zusammensetzung dem NMF ähnlich sind, wie z.B. Zuckerkomplexe und Wollwachsderivate. Bei den pflanzlichen Wirkstoffen ist besonders die Aloe vera hervorzuheben, die bei Feuchtigkeitspräparaten einen breiten Einsatz findet. (Eine Tabelle mit bewährten und neuen feuchtigkeitsbindenden Substanzen finden Sie im Internet unter www.beauty-forum.com/downloads, Anm. d. Red.
Natürliche Substanzen wie Chitosan (aus den Chitinpanzern von Schalentieren) oder Carnaubawachs (aus den Wachsschuppen der Carnaubapalme) haben filmbildende Eigenschaften und verringern den sogenannten transepidermalen Wasserverlust der Haut.
Eine ausreichende tägliche Getränkezufuhr begünstigt ein gesundes und glattes Hauterscheinungsbild. Es kann geradezu auffällig sein, wie kleine Feuchtigkeitsfältchen um die Augen herum entweder deutlich hervortreten oder sich auf wundersame Weise verringern, je nachdem, wie groß die tägliche Trinkmenge ist.
Autorin: Marina Seewald