Specials für Problemzonen
Um die Augen und die Lippen zeigen sich die Altersanzeichen meist zuerst. Aber auch Hals, Ohren, Bauch, Beine und Po benötigen eine gezielte Pflege. Hier bieten sich zur gezielten Pflege Specials für „stiefmütterlich“ behandelte Regionen an. Solche Behandlungskonzepte sind außerdem eine gute Möglichkeit, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen und sein Gesamtangebot aufzuwerten.
Manche Hautpartien altern schneller als andere bzw. geraten eher „aus der Form“. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich: Einige Körperregionen sind besonders exponiert, d.h. Wind und Wetter stärker ausgesetzt, andere sind durch innere Anspannung und stärkere Belastung gefordert. Dazu gehören Stirn, Augen, Lippen, Ohren, Hals, Hände und Füße. Körperpartien wie Büste, Bauch, Po und Oberschenkel sind anfälliger für hormonelle Schwankungen – mit Auswirkung auf das Stützgewebe und die Elastizität der Haut. Was liegt also näher, als für diese Hautpartien spezielle Behandlungen anzubieten?
Im präparativen Bereich wurde das längst erkannt. Es gibt für jede Hautpartie besondere Produkte, die Abhilfe für die jeweiligen Probleme versprechen. Verkaufen lassen sie sich aber erst dann effektiv, wenn wir den Kunden adäquate Behandlungen zeigen. Die Wirkung am eigenen Körper zu erleben, ist immer noch das beste Verkaufsargument. Die Behandlungs-Specials können einzeln, integriert in Standards oder als Kombinationen angeboten werden.
Stirn, Ohren, Augen, Lippen
Stirnfalten zeigen sich bei vielen bereits mit Anfang 20. Wie bei der Augen- und Lippenpartie entstehen sie vorwiegend durch eine starke Mimik. Diese drei Partien sagen viel darüber aus, was in einem Menschen vorgeht. Man spricht nicht umsonst von Grübler- und Zornesfalten oder von der Denkerstirn.
Die Ohren sind besonders exponiert und den Wettereinflüssen ausgesetzt. Im Alter sind sie oft stark vergrößert, die Ohrläppchen ausgeprägt. Das Ohr mit seinen verschiedenen Akupunkturpunkte und die Zonen im Ohrbereich mit ihrer reflektorischen Wirkung auf innere Organe sind für den gesamten Organismus wichtig. Augen und Lippen erzählen von der Fröhlichkeit oder Traurigkeit eines Menschen, von seiner Gefühlswelt. Die Augen der meisten Menschen sind überstrapaziert, vor allem durch Computertätigkeiten, Fernsehen etc. Und wer hat heute noch die Zeit, seine Augen ausruhen zu lassen und z.B. eine Weile ins Grüne zu schauen? Die Lippen sind vor allem gefühlsbelastet. Man spricht vom verkniffenen Mund, von traurigen Mundwinkeln etc. Auf diese Zusammenhänge kann im Gespräch vorsichtig hingewiesen werden. Das ist wichtig, um nicht allzu große Erwartungen der Kunden in Bezug auf die kosmetische Behandlung zu wecken. Vielleicht hilft es auch dem ein oder anderen Kunden, achtsamer mit sich selbst, mit seinen Gedanken und Gefühlen und letztlich seiner Mimik umzugehen. Die Behandlungsziele sind eine allgemeine Relaxation und speziell die Entspannung bestimmter Muskelpartien, eine bessere Durchblutung der Regionen, eine Stabilisation des Feuchtigkeitshaushaltes, die Stärkung des Hydrolipidmantels und der Hautbarriere.
… und was ihnen gut tut
Als Wirkstoffe eignen sich alle antioxidativen Substanzen (Anti-Aging-Präparate), die in der Regel in den Pflegeprodukten für Augen und Lippen enthalten sind. Spezielle Masken sind angebracht, Vliesmasken sind besonders empfehlenswert, für die Augen auch Eis- oder Teepackungen. Ampullenkuren für Augen und Lippen bieten sich an und auch ein spezieller UV-Schutz. Peelings sollten sehr sanft und nur manuell ausgeführt werden.
Elektrokosmetisch ist diese Region sehr diffizil. Es bedarf hier extremer Sorgfalt und besonderen Fachwissens, um gefahrlos zu arbeiten. Mit dem Softlaser und mit Farblichtbestrahlungen kann einiges erreicht werden; für die Augen empfiehlt sich grünes Licht, für die Ohren blaues, für die Lippen rotes, für die Stirn violettes.
Bei entsprechender Ausbildung eignen sich auch Stimulationen mit mittelfrequentem Strom zur Kräftigung folgender Muskeln: Stirnmuskel (Musculus frontalis, Augenbrauenheber), Augenringmuskels (M. orbicularis oculi), Schläfenmuskel (M. temporalis) und Mundringmuskel (M. orbicularis oris). Angebracht ist auch die biomechanische Muskelstimulation oder – vorsichtig angewendet – die Ultraschallbehandlung. Hiermit können Mimikfältchen und sogar Tränensäcke gemildert werden.
Gezielte Massagen sind immer angebracht. Hier eignen sich besonders Shiatsu, Akupunkturmassage und Lymphdrainage, wobei der ganze Kopf ausgleichend vorbereitet werden muss. Augen-, Stirn- und Lippenfältchen lassen sich mit speziellen Yoga- und Qi Gong-Übungen sehr gut mildern.
Hals, Dekolleté und Büste
Der Hals ist eine Übergangsregion und wird meist in die Gesichtsbehandlung integriert, sollte als Special jedoch deutlich gemacht und gesondert kalkuliert sein. Die Haut ist hier oft äußerst trocken, sehr dünn, mit wenig Unterhautfettgewebe ausgestattet und neigt extrem zur Faltenbildung. Der Hals ist zudem bei vielen Menschen durch eine falsche Kopfhaltung belastet, was sich wiederum auf den Zustand von Dekolleté und Büste auswirkt. Der Halshautmuskel (M. platysma) ist nämlich der eigentliche Aufhänger der Brustdrüsen; auf den Brustmuskeln (Mm. pectoralis) liegen sie nur auf.
Für ein Hals-Dekolleté-Büsten-Special sollten vor allem Präparate genutzt werden mit Wirkstoffen, die die Durchblutung fördern, den Stoffwechsel und die Zellregeneration anregen und vor freien Radikalen schützen (z.B. Antioxidantien).
Die effektivste Massage ist in diesem Bereich die Lymphdrainage, dabei ist die Arbeitsrichtung durch den Gefäßverlauf vorgegeben. Bei einer klassischen Massage muss unbedingt darauf geachtet werden, dass in Richtung Herz massiert wird und nicht in Richtung Kinn, wie am Hals leider immer noch üblich. Das ergibt sich aus der Fließrichtung der ableitenden Gefäße und aus energetischen Gründen.
Als Masken sind Präparate mit Bestandteilen von weißem Tee und Weintrauben besonders zu empfehlen, aber auch die bewährten Modellagen und Thermomasken – immer unter Beachtung der jeweiligen Kontraindikationen. Auch Auflagen und Kompressen können die „Specials“ wohltuend abrunden. Zu beachten sind auch Maßnahmen zum Kälte- bzw. UV-Schutz.
Elektrokosmetisch sind Muskelstimulationen mit mittelfrequentem Strom und auch Ultraschallbehandlungen angebracht, ebenso Farblichtbestrahlungen mit grünem, gelbem oder orangefarbenem Licht. Sehr effektiv sind für diesen Bereich auch Iontophoresen mit entsprechenden Ampullen oder Thermophoresen. Zum Abschluss des Programms ist ein kleines Gymnastikprogramm unumgänglich.
Bauch, Po, Oberschenkel
Für Bauch, Po und Oberschenkel sind natürlich alle bewährten Anti-Cellulite-Behandlungen und entsprechende Präparate das Mittel der Wahl. Hierzu gibt es zwar immer wieder innovative Wirkstoffe, doch das Behandlungsprinzip ist weitgehend gleich. Die Ziele sind:
-verbesserte Durchblutung mit Schwerpunkt Anregung des lymphatischen und venösen Rückstromes, -Anregung des Stoffwechsels, -Kräftigung der Muskulatur, -Verbesserung des Hautreliefs.
Spezielle Präparate, Packungen, Bäder und Massagen sind dabei hilfreich. Ideal sind verschiedene elektrokosmetische Maßnahmen, wie Muskelstimulationen mit mittelfrequentem Strom, Ultraschallbehandlungen, jeweils unter Beachtung der Kontraindikationen. Diese „Specials“ sollten immer auch eine Spezialgymnastik beinhalten, wie Anti-Cellulite-Gymnastik, Callanetics, Pilates-Übungen etc.
Für Bauch und Po sind außerdem Übungen zur Haltungskorrektur angebracht. Viele Frauen haben ein ausgesprochenes Hohlkreuz, das nicht nur die Bauchmuskeln überdehnt, sondern auch zu Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule führen kann. Kräftigungsübungen für die schrägen Bauchmuskeln und Dehnungen für die unteren Rückenstrecker können hier helfen.
Hände und Füße
Hände und Füße dürfen bei den Specials nicht vergessen werden. Auch sie sind fraglos besonders belastet. Die Hände sind zudem extrem anfällig für Pigmentflecke – dagegen bietet der Markt verschiedene präparative Innovationen.
Spezielle Peelings, Blüten- und Kräuterbäder sowie Spezialpackungen und Modellagen lassen zusammen mit einer klassischen Maniküre und/oder Pediküre ein besonderes Angebotspaket entstehen. Packungen können je nach Hautzustand farblich bestrahlt werden. Auch Kneipp’sche Wechselbäder sind eine gute Möglichkeit, um Hand- und Fußbehandlungen zu intensivieren. Eine Fußdruckpunktmassage ist ein zusätzliches „Bonbon“ (ein Behandlungsbeispiel hierzu finden Sie als Download unter www.beauty-forum.com/downloads). Zum Hand-Special können Mudras (Yoga-Fingerübungen) und zum Fuß-Special Kräftigungsübungen für die Fußgewölbe angeboten werden.
Gegen ewig kalte Hände und Füße bieten sich elektrokosmetische Hand- und Fußbäder mit galvanischem Strom und mit speziellen Zusätzen an.
Das Angebot vermarkten
Als effektive Werbung für „Special-Treatments“ eignen sich neben der Mund-zu-Mund-Empfehlung noch immer am besten Flyer und Anzeigen in der Regionalpresse. Beim Werbetext sollte immer auf einen einleuchtenden Bezug geachtet werden, zum Beispiel im Hinblick auf die Jahreszeit oder einen besonderen Anlass, z.B.:
- Jahreszeit: „Spezialbehandlung für schöne Sommerfüße“,
- Effektivität: „Strahlende Augen für ein wichtiges Date“,
- Nutzwert: „Gepflegte Hände für ein wichtiges Vorstellungsgespräch“ etc.
Stellen Sie die Specials in Ihrer Preisliste gesondert dar, damit sie auch als Extras verkauft werden können. Um unangenehmen Diskussionen vorzubeugen, klären Sie evtl. Fragen der Kundin vor einer Standardbehandlung ab, falls die Specials integriert werden sollen.
Vergessen Sie auch niemals darauf hinzuweisen, dass jede Spezialbehandlung nicht nur eine lokale Wirkung hat. Wenn z.B. in einer speziellen Region des Körpers die Durchblutung angeregt wird, so hat das eine fortleitende Wirkung auf die Gesamtdurchblutung und auf das Stoffwechselgeschehen. Für ein gutes Kundengespräch ist es sinnvoll, die Korrelationen im Organismus zu kennen. Mit diesem Wissen können Sie bei den meisten Kunden punkten; sie fühlen sich dann „in besten Händen“.
Autorin: Henny Ladwig