
Obst aus der Flasche
Was ist ein Smoothie? Ein Smoothie ist ein Saft, und zwar ein ganz besonderer: Bei den Smoothies handelt es sich – zumindest behauptet das die Werbung – um „die tägliche Portion Obst zum Trinken." Aber können sie Äpfel, Bananen und Co. wirklich ersetzen?
Das Erfolgsrezept der so genannten Smoothies: Sie werden verkauft als Gesundheit aus der Flasche, die man guten Gewissens trinken kann. Denn Smoothies versprechen nicht weniger als einen vollwertigen Ersatz für den täglichen Verzehr von Äpfeln, Bananen und anderen Früchten. Ihren Namen haben die flüssigen Früchtchen vom englischen Adjektiv "smooth", was so viel wie sanft und weich bedeutet. Sie verdanken diesen Namen ihrer Konsistenz, denn Smoothies zerschmelzen regelrecht im Mund – sozusagen in einem Zustand zwischen fester und flüssiger Nahrung.
Bereits in den sechziger Jahren wurden sie von Gesundheitsfans im warmen Südwesten der USA geschlürft. Von dort traten sie ihren Siegeszug durch die USA und später auch Großbritannien an, wo sie seit langem in der Kühltheke jedes Supermarktes zu finden sind. Hierzulande sind die Fruchtbomben erst in den letzten zwei, drei Jahren populär geworden. Inzwischen haben viele Hersteller die Chance erkannt – angefangen von den „Großen“ im Saft- und Fruchtgeschäft wie Chiquita, Schwartau und Mövenpick bis hin zu zahlreiche Kleinstproduzenten. Sie alle haben inzwischen eine unübersehbare Zahl von Smoothies auf den Markt gebracht.
„Smoothie" ist nicht geschützt
Die Betonung liegt auf „unübersehbar". Denn was die Kombination verschiedener Früchte betrifft, scheint der Phantasie der Hersteller keine Grenzen gesetzt. Angefangen von „braven" Mischungen wie „Apfel-Banane“ über exotische Zusammenstellungen wie „Mango-Passionsfrucht“ bis hin zu recht gewagten Kombinationen wie „Himbeer-Granatapfel" oder „Apfel-Quitte-Kürbis" (also mit Gemüseanteil) gibt es nichts, was es nicht gibt. Problematisch sind jedoch nicht die Fruchtsorten, die zum Einsatz kommen, sondern eher das, was von diesen Früchten in den Fläschchen landet: Smoothie ist kein geschützter Begriff. Das führt dazu, dass sich Inhalte und Herstellungsverfahren oft erheblich unterscheiden – so dass sich auch Qualitäten und Preise nur schwer vergleichen lassen.
Laut Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind Smoothies Ganzfruchtgetränke bzw. Fruchtshakes. Während herkömmliche Fruchtsäfte aus dem gepressten Saft einer Frucht bestehen, wird bei Smoothies die ganze Frucht bis auf die Schale und den Stil verarbeitet. Basis der Smoothies ist somit das Fruchtmark oder Fruchtpüree, das je nach Rezept mit Säften gemischt wird, um eine cremige und sämige Konsistenz zu erhalten.
Welche Säfte, Obst- und teilweise Gemüsesorten ein Smoothie enthalten darf, ist nicht geregelt. Die Rezepturen, die unter dem Begriff Smoothie angeboten werden, sind bunt und vielfältig – und die Qualitätsunterschiede groß. Einige Anbieter stellen Smoothies hauptsächlich aus Saft bzw. Saftkonzentraten her. Viele als Smoothies angebotene Getränke unterscheiden sich daher nicht deutlich von Fruchtsäften.
Die Qualitätskriterien
„Ein guter Smoothie sollte eine relevante Menge an Obst liefern, keine Zusätze enthalten und möglichst als komplette Frucht verarbeitet worden sein – nur dann bleiben alle Nährstoffe weitgehend erhalten. Insbesondere das Entfernen der Schale führt zu Verlusten. So enthält zum Beispiel Apfelschale 140 Milligramm des sekundären Pflanzenstoffs Quercetin pro 100 Gramm, das Fruchtfleisch dagegen weniger als zwei Milligramm," erklärt Dr. Bernhard Watzl, Leiter des Institutes für Ernährungsphysiologie der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe.
- Ein guter Smoothie wird deshalb aus Fruchtmark oder -püree und eventuell noch Fruchtstückchen hergestellt – ohne Zusatz von Zucker, Farb- oder Konservierungsstoffen hergestellt.
- Er wird zur Haltbarmachung lediglich pasteurisiert, also kurz erhitzt. So bleiben die Vitamine weitgehend erhalten. Häufig ist die Banane eine Grundzutat. Es gibt auch Smoothies mit einem Anteil an Gemüse, Joghurt oder Milch oder anderen natürlichen Zutaten wie Schokolade, grünem Tee und Erdnussbutter.
Vor allem der Zuckergehalt führt dazu, dass der vermeintlich „schlanke“ Obsttrunk mehr Kalorien bringt als viele vermuten: Eine 250-Milliliter-Flasche enthält ca. 150 Kilokalorien – übrigens fast die Hälfte mehr als dieselbe Menge Cola.
Vollwertiger Obstersatz?
Esst mehr frisches Obst und Gemüse – das fordert die DGE seit Jahr und Tag. Und empfiehlt „5 am Tag”, also fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Im Gramm ausgedrückt sollten Erwachsene täglich rund 400 g Gemüse und 200–250 g Obst zu sich nehmen. Kann ein Smoothie nun wirklich eine tägliche Portion Obst – oder vielleicht sogar zwei – ersetzen? Schließlich werben einige Hersteller mit vollmundigen Angaben auf dem Etikett, wonach die angebotene Menge beispielsweise 50 Prozent der täglichen empfohlenen Ration abdecken soll. Das erscheint vielen wunderbar bequem. Die Vorstellung, eine viertel Mango, drei Maracujas, einen halben Apfel und je eine halbe Banane und Orange zu essen, scheint dagegen ausgesprochen mühsam.
Bei näherem Hinsehen sind viele Smoothies jedoch weit davon entfernt, ganze Obstmahlzeiten aufzuwiegen. Produkte mit einer Füllmenge von 200 bis 250 Millilitern, die vorwiegend Saft enthalten, ersetzen maximal eine Portion Obst oder Gemüse am Tag. „Nur wenn ein Smoothie wirklich mindestens zur Hälfte aus Mark, Püree oder stückigen Bestandteilen besteht, kann er auch mal zwei Portionen Obst ersetzen," meint Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGR).
Die Fructose-Falle
Trotzdem sollte davon nach Ansicht der DGE nur gelegentlich Gebrauch gemacht werden, da Smoothies aus ihrer Sicht kein vollwertiger Ersatz für Frischobst und Frischgemüse sind: Im Vergleich zu frischem Obst und Gemüse besitzen Smoothies weniger Masse und haben dadurch einen niedrigeren Sättigungseffekt. Das Hungergefühl kommt somit schneller.
Schuld daran ist nicht zuletzt der hohe Gehalt an Fruchtzucker. Dass die Fructose weniger satt macht als andere Zucker wie Glukose oder Saccharose (Haushaltszucker) ist seit langem bekannt. Weil andererseits immer mehr Säfte, Süßigkeiten und andere kohlenhydratreiche Lebensmittel mit Fructose hergestellt werden, nimmt der Durchschnittsverbraucher heute mehr Fructose auf denn je. In Untersuchungen zeigte sich, dass Menschen, die viel Fructose essen, wesentlich häufiger als der Durchschnitt übergewichtig sind.
Fructose ist allerdings nicht nur ein Risikofaktor für Übergewicht: Schätzungsweise knapp die Hälfte aller Menschen hierzulande vertragen die Fructose nicht – zumindest nicht in größeren Mengen. Sie leiden an Fructosemalabsorption und/oder Fructoseintoleranz, was zu den verschiedensten Beschwerden im Magen- Darmbereich führt. Zudem hat sich in neueren Untersuchungen gezeigt, dass zu viel Fructose zu allem Übel auch noch ein erheblicher Risikofaktor für die Entstehung von Gicht ist. So ist allein das Thema Fructose ein Grund dafür, warum Smoothies täglich und in größeren Mengen nicht uneingeschränkt empfehlenswert sind.
Wie viel Smoothie darf es sein?
„Es spricht nichts dagegen, gelegentlich einen Smoothie zu trinken", so Antje Gahl. Smoothies seien gesünder als die meisten anderen Convenience-Snacks für zwischendurch und für den schnellen Vitaminkick unterwegs durchaus zu empfehlen. Als Durstlöscher taugt ein Smoothie allerdings nicht, dafür liefert er zu viel Zucker und Energie. So kommt die DGE zu der Empfehlung, frisches Obst und Gemüse nach Möglichkeit den Smothies vorzuziehen. Hier die Gründe:
- Beim Apfel etwa sitzen viele Vitamine und Mineralien unter der Schale, in den Smoothie gelangen sie daher meistens nicht.
- Der Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen ist bei frischem Obst und schonend gegarten Gemüse generell höher als bei Saft oder Smoothies. Die Energiedichte ist in aller Regel niedriger: 250 g Obst oder Gemüse liefern enthalten eigentlich immer weniger Kalorien als die gleiche Menge eines Smoothies.
- Frische ganze Früchte und frisches Gemüse, roh oder schonend gegart, bringen ein großes Volumen mit sich. Genau dieses Volumen sorgt für ein Sättigungsgefühl. Bei der Herstellung der Smoothies gehen dagegen wertvolle Ballaststoffe verloren – Pflanzenfasern, die zwar unverdaulich sind, dabei aber den Magen füllen.
- Obst und Gemüse bieten ein „Kauerlebnis“ und eine große geschmackliche Variationsbreite, die bei den Smoothies verloren geht. Durch das Kauen dauert der Vorgang des Essens länger als beim raschen Hinunterschlucken eines Smoothies. Auch das verbessert den Sättigungseffekt.
Am besten selbstgemacht
Dass Smoothies literweise getrunken werden, verhindert allerdings in der Regel schon der Preis. Smoothies sind ein teures Vergnügen: Die meisten kosten immerhin zwischen 5 und 10 Euro pro Liter – Preise also, für die man problemlos mehrere Kilo Frischobst bekommt. Allerdings: Der Erfolg der Smoothies hat inzwischen auch schon die Discounter auf den Plan gerufen, deren preiswerte Produkte sich nicht hinter den Marken-Smoothies zu verstecken brauchen. Es lohnt sich also auch bei Smoothies absolut, auf den Preis zu achten.
Wenn schon Smoothies, dann sind sie selbstgemacht am besten, billigsten und natürlich ohne Zusätze besonders frisch. Für einen leckeren Smoothie braucht es nicht mehr als einen Mixer oder einen Pürierstab. Damit kann man Smoothies ganz einfach selber herstellen.
Alternative für „Obstmuffel"
Ein gut zusammengesetzter Smoothie ist allemal besser als gar kein Obst, wie auch Dr. Watzl meint: „Von Smoothies profitieren vor allem alte Menschen, die frisches Obst nicht mehr kauen können, aber auch Obstmuffel. Dann können Smoothies auch eine tägliche Alternative sein. Allerdings müsste man noch untersuchen, ob Smoothies im Körper wirklich die gleichen Effekte haben wie Frischobst."
So sind Smoothies vor allem für Menschen praktisch, die vorübergehend keine feste Nahrung zu sich nehmen dürfen. Auch Kinder und Jugendliche in Deutschland haben eine Extraportion Frucht dringend nötig. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) essen gerade einmal die Hälfte der Heranwachsenden zwischen drei und 17 Jahre mindestens einmal tägliches frisches Obst. Für Kinder, die kein Obst mögen oder nur wenig davon essen, können Smoothies einen Ausgleich schaffen. Als Durstlöscher oder Ersatz für das tägliche Frischobst eignen sie sich jedoch nicht. Sie sind zu kalorienreich und können die gesundheitsfördernden Stoffe von echtem Obst nicht ersetzen.
Übrigens: Noch ist der Anteil der Smoothies am Saftkonsum der Verbraucher in Deutschland verschwindend gering. Dabei sind wir Weltmeister im Safttrinken – mit umgerechnet ca. 40 Liter pro Kopf und Jahr. So sind die Smoothies nur eines unter vielen Getränkeangeboten in den Regalen der Super- und Getränkemärkte, die uns allesamt Gesundheit und Wohlbefinden aus der Flasche versprechen.
Was wirklich von ACE-, Sportler- und isotonischen Getränken, Wellness-Drinks und koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken bzw. Energy Drinks zu halten ist, lesen Sie in der nächsten Ausgabe der kosmetischen Praxis.
Dr. oec. troph. Friedhelm Mühleib, Geich (www.freiraum-seminare.de)
Weitere Informationen
Buch-Tipp: Alessandra Redies, Smoothies & Fruchtshakes, Gräfe & Unzer; 2., Aufl. Oktober 2007
Web-Tipps
www.dge.de – Unter dem Suchbegriff „Smoothies“ findet man wichtige Informationen zum Thema
www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?suctext=&doc=65802&pos=2&splits=0:1449:2604:4289 – Testergebnisse zu Smoothies
www.bhg.com/home/Smoothie-Recipes.html – jede Menge „Smoothie“-Rezepte!