
Tiegel mit Siegel
Naturkosmetik boomt. Aber wer garantiert eigentlich, dass das, was als „Natur“ angepriesen wird, auch wirklich rein natürlich ist? Neben den hohen Produktionsstandards der Kosmetikhersteller sollen sogenannte Ökosiegel Tranzsparenz für die Verbraucher schaffen.
Immer mehr Menschen leiden unter Allergien und setzen deshalb auf natürliche Pflegeprodukte – auf „Mutter Natur“ in Reinform eben. Davon versprechen sie sich eine minimale Belastung für den Körper und mehr Unterstützung der hauteigenen Funktionen. Wo im rechtlichen Sinn Naturkosmetik tatsächlich anfängt, ist allerdings weniger greifbar; eine juristische Definition gibt es nicht. Transparenz bieten lediglich einige Prüfzeichen, die mit ihren Standards über die Kennzeichnungspflichten der Verordnung über kosmetische Mittel (KVO) hinausgehen.
Prüfzeichen zur Orientierung
Ökosiegel für natürliche Kosmetik gibt es viele. Zu den bekanntesten zählt das Prüfzeichen „Kontrollierte Naturkosmetik“ des Bundesverbandes Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH). Mehr als 2.800 Artikel wurden damit bereits bewertet und zertifiziert.
Im Mittelpunkt der Prüfer stehen die verwendeten Rohstoffe. Die sollten möglichst aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen und schonend verarbeitet sein. Das gilt für pflanzliche Öle wie Nachtkerzen- und Jojobaöl ebenso wie für Kräuterextrakte aus Iris, Hamamelis oder Rosmarin. Schließlich müssen natürliche Rohstoffe, etwa Ringelblume oder Süßholzwurzeln, äußerst vorsichtig verarbeitet werden, damit die Wirkstoffe nicht verloren gehen.
Zudem sind Tierversuche, Genmanipulationen, Rohstoffe toter Wirbeltiere und die radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung beim BDIH tabu. Und auch mit organisch-synthetischen Farb- und Duftstoffen sowie Silikonen und vielen Konservierungsstoffen möchte der Verband nur wenig zu tun haben.
Das Demeter-Zeichen findet sich auf all jenen Kosmetikprodukten wieder, die bei der Rohstoffproduktion und -verarbeitung sowohl auf synthetische Dünger und chemischen Pflanzenschutz als auch auf künstliche Zusatzstoffe in der Weiterverarbeitung verzichten.
Gleich zwei unterschiedliche Zertifizierungen kommen dagegen aus Frankreich: Das Ecocert-Label prüft seit dem Jahr 2002 – auch Naturkosmetika. Wer ein Produkt kauft, das als „Ökologische und biologische Kosmetik“ ausgezeichnet ist, kann sicher sein, dass mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe pure Natur sind – und die verwendeten Rohstoffe zu 95 Prozent aus dem Bioanbau stammen. Landet Kosmetik im Einkaufswagen, die mit der Ecocert-Bezeichnung „Biologische Kosmetik“ versehen ist, sind immerhin noch 50 Prozent der Pflanzenstoffe aus biologischem Anbau. Einziges Manko: Derzeit gibt es noch kein einheitliches und international akzeptiertes Siegel für Naturkosmetik.
Tierschutz im Fokus
Weniger um den biologischen Anbau der Rohstoffe als vielmehr um den Verzicht von Tierversuchen geht es beim IHTK-Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik vom Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik. Kooperationspartner ist der Deutsche Tierschutzbund, Markenzeichen der Hase mit der schützenden Hand. Produkte mit diesem Zeichen dürfen keine Rohstoffe enthalten, die durch Tierquälerei gewonnen wurden oder für die ein Tier sterben musste, wie bei Nerz- oder Schildkrötenöl. Denn natürliche Kosmetik und Tierversuche passen nun einmal nicht zusammen.
Für wichtige Rohstoffe wie Bienenwachs, Honig oder Milchprodukte muss dagegen kein Tier leiden. Sie können ohne Bedenken als Wirkstofflieferanten in zahlreichen Kosmetikprodukten zum Einsatz kommen: in reichhaltigen Handcremes ebenso wie in der Lippenpflege.
Alles Natur, alles gut?
Wer also vermehrt auf Naturkosmetik setzen will, der sollte sich zuvor ausführlich über die Kriterien der Ökosiegel informieren. Denn ein Prüfzeichen alleine garantiert noch kein problemlos verträgliches Naturprodukt. Und eines ist klar:
Auch natürliche Inhaltsstoffe, wie z.B. Kamillenextrakt, können Allergien auslösen. Hier sind die Beauty-Experten gefragt. Letztendlich bekommt die Kundin bei ihrer Kosmetikerin immer noch die besten Tipps für ihre persönlichen Hautbedürfnisse. Das hat sich auch mit dem Naturkosmetik-Boom nicht geändert.
Autor: Carolin Skupin, Karin Maier